Dr. med. Alexander Kosarev

Privatpraxis - Hilfe bei Schmerzen

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Schmerzgedächtnis: Erlernter Schmerz - Dr. Alexander Kosarev

Das Schmerzgedächtnis steht im Zentrum der Chronifizierung, dem Vorgang wenn aus akuten Schmerzen schließlich chronische Schmerzen werden. Dem Prozess der Chronifizierung tritt die präventive Schmerztherapie entgegen, indem versucht wird ein längeres Andauern von Schmerzen durch eine angemessene Behandlung zu verhindern.

 

Wie entsteht das Schmerzgedächtnis?

Um das Schmerzgedächtnis zu verstehen, muss man zunächst verstehen - noch akuter - Schmerz wahrgenommen und verarbeitet wird. Ursache des akuten Schmerzes ist immer ein das Gewebe schädigender Reiz. Dieser wird von Schmerzrezeptoren, den sogenannten Nozizeptoren, wahrgenommen. Überschreitet die Intensität des Reizes eine bestimmte Schwelle, lösen diese Rezeptoren ein elektrisches Signal aus, das den Schmerz zunächst zum Rückenmark weiterleitet.

 

Vereinfacht dargestellt entscheidet sich im Rückenmark, ob der Schmerz chronisch wird, oder nicht. Das ankommende Schmerz-Signal aktiviert Rezeptoren und Ionenkanäle, welche das Signal chemisch über den Synapsenspalt an die Synapse einer weiteren Nervenzelle weiterleiten, die schließlich das Signal wieder elektrisch an das Gehirn weiterleitet - dies alles geschieht im Bruchteil einer Sekunde.

 

Das Rückenmark ist allerdings keine Einbahnstraße. Über Nervenzellen mit langen Fortsätzen ins Rückenmark kann das Gehirn die Weiterleitung des Schmerzes bereits im Rückenmark steuern. Hält ein akuter Schmerz über längere Zeit an, hat dies Auswirkungen auf Nerven- und Gehirnzellen. Es werden vermehrt Ionenkanäle und Rezeptoren ausgebildet, die Reizschwelle wird herabgesetzt. Schon schwache Reize führen jetzt zur Weiterleitung des Schmerzes. Je mehr Ionenkanäle und Rezeptoren ausgebildet werden, desto niedriger wird die Reizschwelle, bis irgendwann noch nicht einmal mehr ein Reiz nötig ist, um Schmerz zu empfinden. Es ist ein Lernprozess eingetreten, Nerven und Gehirn haben sich den Schmerz „gemerkt" und ein Schmerzgedächtnis ausgebildet - der Schmerz ist jetzt chronischer Natur und ein eigenständiges Krankheitsbild.

 

Kann das Schmerzgedächtnis verhindert oder gelöscht werden?

Eine Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses kann durch eine frühzeitige und präventive Schmerztherapie verhindert werden. Noch im akuten Stadium des Schmerzes kann beispielsweise die Weiterleitung durch Opioide verhindert werden. Diese blockieren die Rezeptoren und schließen die Ionenkanäle und verhindern somit die chemische Weiterleitung des Schmerzsignals zwischen den Nervenzellen. Eine verstärkte Ausbildung weiterer Ionenkanäle und Rezeptoren bleibt aus.

 

Ein bereits erlernter Schmerz kann, genauso wie auch Sprachkenntnisse, Termine oder Namen, auch wieder vergessen werden. Hier kennt die Schmerztherapie viele verschiedene Methoden und Techniken. Diese reichen von medikamentösen Behandlungen über Entspannungstechniken, Ablenkung, dosierte Bewegung bis hin zur psychologisch angeleiteten Verhaltenstherapie.